Douglas M. Kelley war der US-amerikanische Gerichtspsychiater, der während des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses (1945/46) Zugang zu den führenden Köpfen des NS-Regimes hatte, darunter u. a. Hermann Göring, Joachim von Ribbentrop, Julius Streicher und vielen weiteren.
In einzelnen Kapiteln wird meist eine, vereinzelt aber auch mehrere Angeklagte der Nürnberger Prozesse genau beleuchtet. Wir erfahren deren Werdegang, von der Erziehung bis hin zum Wirken im NS-Staat.
Die Spannung des Buches entsteht nicht durch Action, sondern durch eine nüchterne Betrachtungsweise und die grausamen Gräueltaten. Kelley war überzeugt davon, dass es eine spezifische, diagnostizierbare „Nazi-Persönlichkeit“ gäbe, aber er kommt am Ende zu einem anderen differenzierten Ergebnis.
So beschreibt er z. B. Hermann Göring als charmanten, hochintelligenten Psychopathen mit Humor und einer ausgeprägten Fähigkeit zur Manipulation. In einem Nachwort des Buches und direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland richtet Kelley seinen Blick auf die USA und warnt davor, dass die USA nicht davor sicher sind, und sich dort ähnliche Ereignisse ebenfalls wiederholen könnten.
Das erschreckende Hintergrundwissen zum Buch
Der Autor beging im Alter von 45 Jahren Suizid, ausgerechnet mit der Substanz, mit der Hermann Göring sich der Hinrichtung entzog.
Fazit
Es ist erschreckend zu lesen, wozu ganz normale Menschen fähig sind, und dies ist in meinen Augen eine Kernaussage in diesem Buch. Was damals passiert ist, ist nicht in kranken Gehirnen Einzelner zu suchen, sondern in den Strukturen, Ideologien und moralischen Gleichgültigkeiten.
Originaltitel: 22 Cells in Nuremberg
Erstveröffentlichung: 1947
Genre: Historisches Sachbuch / Psychologische Analyse
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