Das Buch spielt in Deutschland der 1950er Jahre. Der Ich-Erzähler Michael Berg ist fünfzehn Jahre alt. Als Michael auf dem Nachhauseweg von der Schule die deutlich ältere Hanna Schmitz kennenlernt, kommt es kurze Zeit später zu einer sexuellen Begegnung; aus der sich eine Affäre mit einer Besonderheit entwickelt. Bevor sie miteinander schlafen, liest Michael Hanna aus Büchern vor. Eines Tages verlässt Hanna Michael ohne ein Wort zu sagen.
Der zweite Teil springt ins Jahr 1966. Michael ist Jurastudent und nimmt im Rahmen eines Seminars als Beobachter an einem Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen teil. Zu seiner absoluten Erschütterung und Fassungslosigkeit findet er Hanna auf der Anklagebank wieder.
Der dritte Teil handelt von den Jahren danach. Michael ist verheiratet, wird Vater, doch die Beziehung zu Hanna lässt ihn nicht los. Er beginnt, Literatur auf Kassetten aufzunehmen und sie Hanna ins Gefängnis zu schicken. Wieder verbindet die beiden das Vorlesen, diesmal auf eine andere Art.
Achtung Spoiler: Das zentrale Motiv ist Hannas Analphabetismus, der weit mehr als ein persönliches Handicap ist und als komplexes Symbol funktioniert. Ihre Scham ist so existenziell, dass sie dafür eine Haftstrafe als Mörderin in Kauf nimmt.
Mich konnte das Buch von Seite 1 an sehr fesseln, sobald der Leser erfährt, weswegen Hanna vor Gericht steht, entsteht beim Lesen ein moralisches Dilemma: was ist schwerwiegender die Schuld vor dem Gesetz oder die soziale Scham vor dem eigenen Makel. Egal, wie wir uns entscheiden, wir dürfen die Opfer nicht aus dem Blick verlieren. Obwohl der Text soviel Tiefe bietet, ist dieser ebenso leicht zu lesen und zu verstehen.
Fazit
Die Provokation des Buches besteht darin, dass es uns zwingt, einer Täterin mit einer Empathie zu begegnen, dieses Unbehagen ist gewollt und fordert den Leser heraus, ohne ihn zu überfordern.
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